Coaching: Haltung auf dem Schieberegler
Coaching. Ein Wort, das heutzutage fast überall auftaucht. Workshops, Seminare, LinkedIn-Profile – gefühlt ist jede*r irgendwo Coach. Vertriebscoach. Lifecoach. Versicherungscoach. Diesdas-Coach. Aber: Coaching ist nicht gleich Coaching. Der Begriff ist nicht geschützt, und das führt immer noch oft zu Verwirrung. Dabei geht es beim echten Coaching nicht um schnelle Tipps oder „Mach doch mal so!“-Ansagen, sondern darum, Menschen zu begleiten, damit sie ihre eigenen Lösungen finden können. Und genau hier wird’s spannend: Coaching steht und fällt mit der Haltung des Coaches.
Was macht Coaching wirklich aus?
Im Zentrum von gutem Coaching steht die Coachinghaltung. Sie ist das Fundament, auf dem alles aufbaut. Gute Coaches sind neutral, stellen die richtigen Fragen und ermöglichen den Coachees, selbst ihre Aha-Momente zu erleben. Und ja, das ist oft schwieriger, als einfach die eigene Meinung rauszuhauen. Denn Coaching ist kein Beratungsformat, bei dem die Antworten vom Coach kommen.
Ganz strikt trennt sich das manchmal nicht. Vielleicht rutscht einem Coach doch mal ein kleiner Rat heraus – und das ist völlig okay, solange es bewusst und mit Fingerspitzengefühl passiert. Denn die Coachinghaltung ist kein starrer Maßanzug, sondern eher ein flexibler Schieberegler: mal mehr Zurückhaltung, mal mehr aktives Mitdenken – immer abhängig von der Situation.
Die Essenz der Coachinghaltung
Die Coachinghaltung hat viele Facetten, aber ein paar zentrale Bausteine finden sich in jeder guten Ausbildung – und bei jedem guten Coach:
Respekt und Wertschätzung: Jede*r Coachee bringt eine einzigartige Geschichte mit. Die Haltung: „Ich sehe dich, ich höre dich, und ich nehme dich ernst.“
Empathie: Sich einfühlen, ohne zu bewerten – weil jedes Verhalten in der eigenen Welt der Coachees Sinn ergibt.
Geduld: Veränderungen brauchen Zeit. Drängeln hilft hier niemandem.
Neugier: Offen sein für die Lösungen, die der*die Coachee selbst entwickelt. Spoiler: Die sind oft besser als das, was man sich selbst ausdenken würde.
Reflexion: Coaches, die sich regelmäßig hinterfragen, bleiben auf dem Boden. Die eigenen blinden Flecken? Muss man erkennen und bearbeiten, sonst wird’s schnell eng.
Flexibilität: Die Haltung bleibt in Bewegung
Stell dir die Coachinghaltung wie deine Haltung am Schreibtisch vor: Selbst die „beste“ Haltung schadet, wenn du zu lange starr darin verharrst. Genau so funktioniert es im Coaching. Es geht um Bewegung und Anpassung – daran, was der Moment braucht.
Manchmal heißt das, sich komplett zurückzunehmen und einfach den Raum zu halten. Manchmal braucht es einen Impuls, der den*die Coachee aus einer gedanklichen Sackgasse holt. Die Kunst liegt darin, flexibel zu bleiben und sich bewusst zu sein, dass keine Haltung ewig perfekt ist. Reflexion hilft da ungemein: Was war gut? Was lief holprig? Und wie mache ich es beim nächsten Mal noch besser?
Die Wirksamkeit von Coaching
Flexibilität und ständige Anpassung machen die Stärke eines guten Coaches aus. Denn Coaching ist keine Einbahnstraße, sondern ein dynamischer Prozess. Und ja, auch Coaches haben mal gute und mal schlechte Tage – das ist menschlich. Wichtig ist, sich dessen bewusst zu sein und nach dem Coaching aufzuräumen, wenn die eigene Haltung mal wackelig war.
Coaching lebt davon, dass man in Bewegung bleibt – genauso wie dein Rücken, der von ein bisschen Schreibtisch-Yoga profitiert. Veränderung entsteht nicht aus starren Mustern, sondern aus der Bereitschaft, sich immer wieder neu auf Menschen und Situationen einzulassen. Genau darin liegt dann eben auch die Wirksamkeit.
Die Coachinghaltung ist auch zentrales Thema in unserer Agile Coach Ausbildung. Der nächste Durchgang startet im Mai 2025 in Hamburg. Alle Details & Infos findest du hier.