Ohne Selbstreflexion kein gutes Coaching

Selbstreflexion – wollen wir, machen wir (natürlich) auch, vor allem aber ist es ein Zauberwort im Coaching.

Doch warum ist es so wichtig, sich als Coach regelmäßig den Spiegel vorzuhalten? Ganz einfach: Ohne Selbstreflexion bleibt die persönliche Entwicklung auf der Strecke. Und das ist nicht nur schlecht für den Coach, sondern auch für die Coachees.

Warum Selbstreflexion im Coaching unverzichtbar ist

1. Die eigene Praxis hinterfragen: Als Coach schleichen sich schnell Routinen und Muster ein, die ggf. unbemerkt bleiben. Schließlich werden wir quasi zu Expert*innen in unserem Job. Tagein, tagaus begleiten wir Individuen, Teams und Organisationen. Aber: All diese Menschen sind unterschiedlich - ein “one fits all”-Ansatz kann im Coaching zwar funktionieren, sorgt aber sehr wahrscheinlich dafür, dass wir selbst unter unseren Möglichkeiten bleiben und dass unsere Coachees weniger für sich gute Ergebnisse erzielen. Selbstreflexion hilft uns dabei, unsere eigenen Muster sichtbar zu machen und zu hinterfragen, was gut läuft und was nicht. So schaffen wir Raum für Wachstum und Weiterentwicklung, auf persönlicher wie auf professioneller Ebene.

2. Der Spiegel der Coachees: Ein guter Coach fungiert als Spiegel für die Coachees. Doch dieser Spiegel muss klar und unverzerrt sein. Selbstreflexion hilft, persönliche Vorurteile und blinde Flecken zu identifizieren und zu eliminieren. So bleibt die Haltung neutral und unterstützend, und die Coachees können sich auf das Wesentliche konzentrieren.

3. Authentizität und Integrität: Ein reflektierter Coach bleibt authentisch und handelt in Übereinstimmung mit seinen Werten und Prinzipien. Das schafft Empathie, Vertrauen und Respekt – die Basis für einen Raum, in dem offen gedacht werden kann.

4. Anpassungsfähigkeit an individuelle Bedürfnisse: Coachees bringen eigene Herausforderungen und Ziele mit. Es sind Individuen mit individuellen Erfahrungen, Gedanken und Werten. Durch regelmäßige Reflexion kann ein Coach seine Methoden und Ansätze flexibel anpassen und auf die Individualität und die konkreten Bedürfnisse von Coachees eingehen.

5. Vorbeugung von Burnout: Coaching kann anstrengend sein. Selbstreflexion fördert die Achtsamkeit gegenüber den eigenen Grenzen und Bedürfnissen und hilft, Überlastung und Burnout vorzubeugen. Gerade das Ringen um Haltung und Neutralität klingt auf dem Papier häufig einfach, ist in der Realität für viele Coaches aber auch ein belastender Aspekt. Dieser sollte in regelmäßigen Abständen wieder in die Balance gebracht werden, um die Freude an der Arbeit zu erhalten.

Wie Selbstreflexion in der Praxis aussehen kann

- Reflexionstagebuch führen: Ein Tagebuch ist ideal, um Gedanken, Emotionen und Erkenntnisse nach jeder Sitzung festzuhalten. Es ist eine wertvolle Quelle für neue Erkenntnisse und hilft, Entwicklungen und Muster im eigenen Verhalten zu erkennen.

- Feedback einholen: Regelmäßiges Feedback von Coachees und Kolleg*innen einzuholen, ist Gold wert. Eine externe Perspektive hilft, blinde Flecken zu identifizieren und gibt wertvolle Anstöße zur persönlichen und professionellen Weiterentwicklung.

- Supervision und Peer-Coaching: Der Austausch mit anderen Coaches in Supervisionsgruppen oder Peer-Coaching-Sitzungen bietet die Gelegenheit, Herausforderungen und Erfolge zu teilen und voneinander zu lernen. Dieser Dialog fördert eine Kultur der offenen Reflexion und unterstützt dabei, die eigenen Coachingfähigkeiten weiterzuentwickeln.

- Regelmäßige Selbstevaluation: Nehmt euch Zeit, um eure Ziele und den Fortschritt eurer Coaching-Praxis zu überprüfen. Welche Ziele hast du erreicht, welche neuen Herausforderungen sind aufgetaucht und wo möchtest du dich weiterentwickeln? Eine Selbstevaluation hilft auch, den Fokus zu schärfen — nicht alle Schritte der persönlichen Weiterentwicklung müssen zeitgleich gegangen werden.

Schließlich sind Weiterentwicklung und Selbstreflexion ein stetiger Prozess. Die Geduld, die wir mit unseren Coachees haben, sollten wir auch uns selbst entgegenbringen.

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Die Coachinghaltung als Schieberegler