Die Coachinghaltung als Schieberegler

Coaching. Ein häufig zu lesendes Wort in unserer Zeit. Und obwohl es so häufig verwendet wird, bleibt die eigentliche Bedeutung oft im Dunkeln. Denn Coaching ist mehr als nur eine Dienstleistung. Es ist ein Prozess der Begleitung, der Menschen hilft, ihre eigenen Lösungen zu finden und ihre Ziele zu erreichen. Doch Vorsicht! Nur weil „Coaching“ draufsteht, heißt das noch lange nicht, dass auch Coaching drin ist. Der Begriff ist nicht geschützt, und das führt oft zu Verwirrung.

Was macht echtes Coaching aus?

Im Kern lebt Coaching von der Coachinghaltung. Sie ist das Fundament, auf dem alles aufbaut. Ein guter Coach begleitet seine Coachees möglichst neutral und ermöglicht ihnen, eigene Lösungen zu entwickeln, ohne selbst Ratschläge zu erteilen. Anders als in der Beratung, wo Tipps und Lösungen von Expert*innen kommen, sind Coaches darauf bedacht, Impulse zu geben und den Coachee selbst auf die Lösung kommen zu lassen. Klar, es gibt Momente, in denen sich Coaching und Beratung vermischen können. Vielleicht kommt dann doch mal ein Ratschlag vom Coach. Das ist menschlich und völlig okay, solange es bewusst und explizit geschieht. Denn die Coachinghaltung ist kein starres Korsett, sondern ein flexibler Schieberegler, der sich den Bedürfnissen der Coachees anpasst.

Die Essenz der Coachinghaltung

Die Coachinghaltung besteht aus mehreren Elementen, die sich je nach Ausbildung und Definition unterscheiden können. Gemeinsam ist allen, dass sie ein unterstützendes Umfeld schaffen wollen:

Respekt und Wertschätzung: Jeder Coachee ist einzigartig. Es geht darum, einen Menschen zu sehen und diesen zu respektieren, unabhängig von der aktuellen Situation.

Empathie und Einfühlungsvermögen: Ein Coach muss sich in die Lage des Coachees versetzen können, ohne zu urteilen. Empathie schafft Vertrauen und öffnet den Raum für ehrliche Gespräche: “Jedes Handeln ergibt Sinn” — zumindest aus der Perspektive, dem System des Coachees heraus.

Geduld und Gelassenheit: Veränderung braucht Zeit. Coaches müssen die Geduld haben, Coachees in ihrem Tempo gehen zu lassen, ohne Druck auszuüben.

Neugier und Offenheit: Es ist essenziell, offen zu sein für neue Wege und Lösungen, die Coachees entwickeln. Lernen hört nie auf.

Reflexion und Selbstbewusstsein: Coaches sollten sich ihrer eigenen Vorurteile und Grenzen bewusst sein. Regelmäßige Selbstreflexion hilft, die eigene Haltung zu überprüfen und anzupassen.

Die dynamische Haltung

Stell dir vor, die Coachinghaltung wäre wie deine Haltung am Schreibtisch. Für die Rückengesundheit ist es wichtig, keine Fehlhaltung einzunehmen, aber auch in Bewegung zu bleiben. Eine vielleicht gute Haltung kann schädlich werden, wenn sie zu lange starr und unverändert bleibt.

Coaches müssen ebenso flexibel sein. Manchmal erfordert die Situation, dass man sich zurücknimmt und Coachees mehr Raum gibt, Gedanken zu entwickeln. In anderen Momenten ist aktiveres Eingreifen notwendig, um den Coachee aus einer festgefahrenen Denkweise herauszuführen. Es geht darum, in Bewegung zu bleiben, die eigene Haltung ständig zu überprüfen und bereit zu sein, seinen Ansatz zu verändern, wenn es die Situation erfordert.

Immer in Bewegung

Analog zur Bewegung am Arbeitsplatz ist im Coaching ein regelmäßiger Wechsel der Perspektiven und Methoden notwendig. So bleibt man langfristig effektiv. Coaches, die ihre Haltung flexibel anpassen können, sind in der Lage, ihre Coachees besser zu unterstützen und nachhaltige Veränderungen zu fördern.

Die Coachinghaltung ist ein lebendiges und dynamisches Element im Coaching-Prozess. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit schaffen die Möglichkeit, Coachees zu helfen, ihre eigenen Lösungen zu finden. Ein gesunder Rücken wird durch Bewegung so gestärkt, wie die Coachinghaltung durch Anpassung und Reflexion. In dieser Balance liegt die wahre Stärke von Coaching.

Auch kommt hinzu: Wir alle haben mal gute, mal schlechte Tage. Wir alle haben unterschiedliche Vorerfahrungen und Ansichten, die mal mehr, mal weniger Gewicht haben. Die Kunst ist, all das in jedem einzelnen Coaching möglichst bewusst zu haben und spätestens in einer anschließenden Reflexion aufzuräumen, sollte der bewusste Umgang mal nicht so geklappt haben.

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Ohne Selbstreflexion kein gutes Coaching

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Vom Stillstand zur Agilität