Ein kritischer Blick auf Innere Antreiber und Riemann-Thomann – Warum wir neue Wege gehen
In der Welt des Coachings und der Teamentwicklung gibt es viele Ansätze und Methoden, die uns helfen sollen, uns selbst und unsere Teams besser zu verstehen. Bei hejagile haben wir in der Vergangenheit intensiv mit den Inneren Antreibern und dem Riemann-Thomann-Modell gearbeitet. Diese Modelle haben uns dabei unterstützt, individuelle Verhaltensmuster zu erkennen und in der Zusammenarbeit gezielt anzusetzen. Doch wie das so ist, entwickelt man sich weiter – und auch unsere Methoden haben sich verändert.
Selbsttests und der kritische Blick
Wir haben in unseren Workshops und Coachings immer mal wieder mit Selbsttests zu diesen Modellen gearbeitet. Die Idee dahinter war, Menschen und Teams über die Testergebnisse ins Gespräch zu bringen. Sie sollten die Chance erhalten, mithilfe der Modelle ihre eigenen Bedürfnisse in der Zusammenarbeit ausdrücken zu können. Dabei haben wir stets betont, dass es sich bei der Durchführung dieser Tests nicht um eine korrekt aufgesetzte psychologische Validierung handelt, sondern die Testergebnisse lediglich eine Momentaufnahme sind, die eventuell eine Tendenz aufzeigen können. Uns war zu jedem Zeitpunkt sehr wichtig allen Beteiligten klarzumachen: Die Ergebnisse des Tests spiegeln nicht wieder, wer oder wie du bist. Sie zeigen lediglich, was du eben heute angekreuzt hast.
Die Problematik an den Tests und vor allem den Testergebnissen liegt im sogenannten *Barnum-Effekt*. Dieser psychologische Effekt beschreibt, wie Menschen dazu neigen, allgemeingültige Aussagen über ihre Persönlichkeit als sehr genau und individuell passend zu empfinden. Genau das passiert oft bei Tests zu den Inneren Antreibern oder dem Riemann-Thomann-Modell. Die Ergebnisse wirken treffend und präzise, doch tatsächlich basieren sie auf recht allgemeinen Aussagen, die auf viele Menschen zutreffen können. Das führt dazu, dass wir uns und andere möglicherweise in Kategorien einordnen, die weniger aussagekräftig sind, als sie scheinen.
Warum wir uns davon distanzieren
Wie oben beschrieben, haben wir beim Einsetzen der Tests in unseren Workshops diese stets eingeordnet und konnten dieses Vorgehen lange Zeit gut für uns vertreten. Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema Esoterik und Persönlichkeitstests haben wir nun eine neue Entscheidung getroffen. Wir haben beschlossen, Abstand davon zu nehmen, diese Modelle in Form von Tests anzuwenden. Wir haben erkannt, dass die wissenschaftliche Fundierung dieser Tests fehlt und der Barnum-Effekt die Wahrnehmung ihrer Genauigkeit stark verzerren kann. Statt uns auf Testergebnisse zu verlassen, die uns in starre Kategorien pressen könnten, setzen wir jetzt auf andere, fundiertere Methoden, um Teams und Individuen zu begleiten.
Innere Antreiber und Riemann-Thomann – Hilfreich, aber anders
Das bedeutet jedoch nicht, dass wir die Modelle komplett ablehnen. Im Gegenteil: Die Inneren Antreiber und auch das Riemann-Thomann-Modell können weiterhin sehr wertvolle Werkzeuge und tatsächlich Gesprächsöffner sein. Sie bieten einfache und verständliche Ansätze, um über Verhaltensmuster nachzudenken und diese zu reflektieren. Wir möchten sie jedoch nicht mehr in Form von Selbsttests anwenden, sondern lediglich als Reflexionsangebot vorstellen und dabei die kritischen Punkte der Modelle klar benennen. Auf diese Weise können sich die Menschen anhand ihrer Selbsteinschätzung austauschen. Wir nutzen die Konzepte dieser Modelle als Gesprächsgrundlage, um individuelle Herausforderungen und Teamdynamiken zu erkunden. Ohne den Testdruck und die vermeintlich „objektiven“ Ergebnisse können wir freier und flexibler mit den Ideen arbeiten und sicherstellen, dass die Erkenntnisse eben genau das sind, was sie sind: eine spontane Selbsteinschätzung ohne den Anspruch auf irgendeine objektive Wahrheit.
Wir legen mehr Wert auf Methoden, die wissenschaftlich fundiert sind und gleichzeitig Inspiration zur Selbstreflexion bieten. Das bedeutet, dass wir auch weiterhin mit Modellen und Konzepten arbeiten, ab sofort aber mit einem noch kritischeren Blick.