Psychologische Sicherheit und das Dramadreieck

Psychologische Sicherheit – ein Begriff, der in vielen Teams und Organisationen immer häufiger fällt. Wir wissen, dass sie entscheidend dafür ist, dass Teams offen kommunizieren, Ideen austauschen und Risiken eingehen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Aber was hat das eigentlich mit Transaktionsanalyse und dem Dramadreieck von Eric Berne zu tun? Ziemlich viel, wenn wir genauer hinsehen.

Psychologische Sicherheit ist die Basis

Psychologische Sicherheit beschreibt das Gefühl, in einem Team ehrlich und offen sprechen zu können, ohne Angst vor persönlichen Angriffen, Beschämung oder dem Verlust des Ansehens. Es ist die Grundlage dafür, dass Menschen sich trauen, Fehler einzugestehen, Fragen zu stellen oder auch mal eine unpopuläre Meinung zu vertreten. In einem solchen Klima blühen Teams auf – es wird zu einem Raum für Wachstum, Lernen und Entwicklung. All das wissen wir und in der Regel wünschen wir uns natürlich genau das.

Das Dramadreieck von Eric Berne: Die dynamischen Rollen im Team

Und genau hier kommen Eric Berne und seine Transaktionsanalyse ins Spiel, genauer gesagt das Dramadreieck. Berne beschreibt drei Hauptrollen, die Menschen in Konfliktsituationen oft unbewusst einnehmen:

1. Der Verfolger: Jemand, der kritisiert, Druck ausübt oder Vorwürfe macht.

2. Das Opfer: Die Person, die sich hilflos fühlt und kritisiert wird oder die Kritik auf sich bezieht.

3. Der Retter: Die Person, die sich aufopfert, um anderen zu helfen, oft ungefragt.

Diese Rollen können sich schnell abwechseln und zu einem Muster führen, in dem sich Menschen und Teams festfahren. Statt Lösungen zu finden, kreist die Dynamik um Schuldzuweisungen, Abhängigkeiten und das Bedürfnis, jemanden „zu retten“. Die Rollen sind unbewusst, und in vielen Teams übernehmen Menschen sie, ohne es zu merken.

Wie das Dramadreieck die psychologische Sicherheit untergräbt

Wenn Teams in dieses Dramadreieck fallen, ist es fast unmöglich, psychologische Sicherheit zu bewahren. Der Verfolger verurteilt, das Opfer zieht sich zurück und der Retter übernimmt die Verantwortung, die eigentlich nicht seine ist. Alle Beteiligten verlieren. Was dabei entsteht, ist eine Kultur der Angst und Abhängigkeit – und genau das Gegenteil dessen, was wir anstreben.

Psychologische Sicherheit basiert auf Gleichwertigkeit, Vertrauen und dem Bewusstsein, dass Fehler und Meinungsverschiedenheiten Chancen sind, um zu lernen. Das Dramadreieck untergräbt diese Prinzipien, weil es Menschen in Rollen drängt, die ihnen die Möglichkeit nehmen, offen und ehrlich zu agieren.

Transaktionsanalyse: Ein Weg aus dem Drama

Die Transaktionsanalyse gibt uns eine Möglichkeit an die Hand, zu erkennen, in welchen Rollen wir uns gerade befinden – und vor allem: wie wir aus diesen Rollen aussteigen können. Ein Schlüssel dafür ist das Erwachsenen-Ich.

Eric Berne unterscheidet in der Transaktionsanalyse drei Kommunikations-Ichs: das Eltern-Ich, das Erwachsenen-Ich und das Kind-Ich. In Situationen, in den wir im Dramadreieck stecken, erfolgt die Kommunikation nicht mehr auf Augenhöhe. Die Beteiligten befinden sich nicht mehr im Erwachsenen-Ich. Stattdessen findet eine Kreuz-Kommunikation von Eltern- und Kind-Ich statt.

Im Erwachsenen-Ich kommunizieren wir sachlich, wertfrei und ohne emotionale Verstrickungen. Wir sehen das Gegenüber als gleichwertig an und begegnen Konflikten mit dem Ziel, eine Lösung zu finden, nicht um zu „gewinnen“ oder zu „verlieren“. Der Wechsel im Kommunikations-Ich ist kein bewusster Vorgang oder eine Entscheidung. Sie passiert. Weil wir alle Vorerfahrungen und Tendenzen haben und weil wir nun einmal Menschen sind, die nicht immer “perfekt” sein können.

Sobald Teams ihre Dynamiken besser verstehen, können sie das Dramadreieck durchbrechen. Wenn ich merke, dass ich in die Rolle des Verfolgers, Retters oder Opfers rutsche, kann ich innehalten, reflektieren und bewusst eine andere Haltung einnehmen – eine, die auf Augenhöhe basiert.

Psychologische Sicherheit durch bewusste Kommunikation stärken

Wenn wir in unseren Teams eine Kultur der psychologischen Sicherheit schaffen wollen, müssen wir anfangen, unbewusste Muster zu erkennen und aufzulösen. Das Dramadreieck und die Transaktionsanalyse bieten dafür eine wertvolle Unterstützung. Sie ermöglichen es, Konflikte offen anzusprechen, ohne in die Falle von Schuldzuweisungen oder Überverantwortung zu tappen. Stattdessen können wir auf einer Meta-Ebene fragen: “Was passiert hier gerade?” und das Muster bewusst durchbrechen.

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