Warum ich mit direkter Werbung gehadert habe
Vielleicht habt ihr die E-Mail Anfang des Monats gelesen – die, die nicht wie mein üblicher Newsletter war, sondern lediglich für eine Agile Coach Ausbildung geworben hat. Ich habe verhältnismäßig lange hin- und herüberlegt, ob ich diese E-Mail überhaupt abschicken soll. Denn: Direkte Werbung zu machen, fühlt sich für mich einfach unangenehm an. Es hat für mich tatsächlich einen unprofessionellen Beigeschmack von „Komm in meine Gruppe“-Gurus – und genau so will ich wirklich auf keinen Fall wahrgenommen werden.
Normalerweise schreibe ich im Newsletter über agile Themen, Coaching-Ansätze oder ich teile Modelle, die ich spannend finde. Und ich glaube fest daran, dass gute Arbeit für sich spricht und sich so auch herumspricht. Kund*innen kommen, weil sie von meiner Arbeit überzeugt sind – nicht, weil ich ständig auf „kaufen, kaufen, kaufen“ setze. Dabei ist mir kognitiv durchaus klar: Es gibt einen Unterschied zwischen “Hallo, ich habe hier ein Angebot” und einer Flut an E-Mails mit “kaufen, kaufen, kaufen”. Das unangenehme Gefühl habe ich trotzdem, sobald ich direkt auf ein Angebot aufmerksam mache.
Warum ich die Mail dann doch verschickt habe
Der Anlass war relativ konkret: Ich arbeite gerade mit einem Kunden, der eine Ausbildung zum Agile Coach intern umsetzt. Es gibt ein paar freie Plätze, und es wäre gelogen zu sagen, dass wir uns nicht freuen würden, diese zu füllen. Also dachte ich: Warum nicht einfach transparent kommunizieren, dass es diese Möglichkeit gibt?
Der Konflikt in mir entstand, weil ich mich gerade mit einem Experiment beschäftige. Ich schaue mir die Coaching-Bubble genauer an, vor allem die, die auf Instagram für Programme und leider teils auch für “Erleuchtung” wirbt. Ich habe mich in einige fremde Newsletter eingetragen und muss ehrlich sagen: Die Menge und der Inhalt dieser E-Mails haben mich erschrocken und viel Schaudern ausgelöst. Da wird permanent auf manipulative Art versucht, ein Verlangen oder eine Notwendigkeit für Programme zu wecken, die oft gar nicht relevant und außerdem ganz ganz tief in der Esoterik-Bubble zu verorten sind. (Beispiel gefällig? In einer Masterclass geht’s darum, seine geistlich-spirituelle Energie mit der eigenen Strategie zu verknüpfen. Ja, es ist so absurd und anstrengend wie es sich anhört.)
Werbung ja, aber auf meine Art
Dennoch bleibt die Tatsache: Ein Newsletter ist ein Marketinginstrument. Auch ich nutze ihn, um zu zeigen, was ich tue. Aber eben meistens indirekt – durch Inhalte, durch Diskussionen über agile Prinzipien oder indem ich meine Erfahrungen schildere. So möchte ich auch wahrgenommen werden: Eine Person, die Inhalte, Gedanken und Erfahrungen teilt. Aber ich habe mir gleichzeitig gesagt: Solange das direkte Bewerben von Angeboten die Ausnahme bleibt, ich es auf meine Art und nur dann mache, wenn es passt, kann bzw. muss ich auch ein Stück weit damit leben.
Am Ende des Tages muss man sich als Unternehmerin oder Selbstständige auch mal aus der Komfortzone herauswagen und Dinge tun, die sich unbequem anfühlen. Und ja, dazu kann eine solche E-Mail und Werbung gehören. Was mir wichtig ist: Es sollte immer ehrlich, transparent und im richtigen Kontext geschehen (und bitte nicht ständig und aufdringlich). So wie in der E-Mail im letzten Monat – es war ein Angebot, ja. Aber ich habe es eben genau so umgesetzt und formuliert, dass es sich für mich noch authentisch anfühlt.
Ich bleibe dabei: Werbung muss wohl manchmal sein. Am Ende wachsen wir an den Dingen, die uns aus der Komfortzone holen. Solange ich weiterhin mehr Inhalte als Angebote teile, bleibt der Fokus da, wo er hingehört: auf der Arbeit, die ich gern mache, und auf Mehrwert. Das ist zumindest mein Plan.