Psychologische Sicherheit und das Dramadreieck

Psychologische Sicherheit – ein Begriff, der in der Arbeitswelt immer präsenter wird. Kein Wunder, denn diese ist entscheidend dafür, dass Teams offen kommunizieren, Ideen austauschen und Fehler machen dürfen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Doch so wünschenswert psychologische Sicherheit auch ist, in der Praxis ist sie oft gar nicht so einfach herzustellen. Denn unbewusste Verhaltensmuster können genau das verhindern. Eines davon ist das Dramadreieck. Was steckt dahinter, und wie können wir es durchbrechen?

Psychologische Sicherheit – die Basis für echte Zusammenarbeit

In Kurzform bedeutet psychologische Sicherheit, dass Menschen sich in ihrem Team ehrlich und offen äußern können, ohne Angst vor persönlichen Angriffen oder Beschämung zu haben. Wer keine Angst vor negativen Konsequenzen hat, kann kreativ denken, Ideen frei äußern und auch mal eine unpopuläre Meinung vertreten. Das Problem: In vielen Teams gibt es unausgesprochene Dynamiken, die genau diese Offenheit torpedieren. Oft geschieht das nicht bewusst, sondern durch eingespielte Muster, die das Team daran hindern, auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Das Dramadreieck – Wenn Teams in unbewusste Rollen rutschen

Ein Modell, das hilft solche destruktiven Muster zu erkennen, ist das Dramadreieck aus der Transaktionsanalyse nach Eric Berne. Es beschreibt drei Rollen, in die Menschen in Konfliktsituationen häufig unbewusst schlüpfen:

  • Der Verfolger – kritisiert, macht Druck oder verteilt Schuldzuweisungen.

  • Das Opfer – fühlt sich machtlos, ungerecht behandelt oder überfordert.

  • Der Retter – will helfen, nimmt Verantwortung für andere und greift oft ungefragt ein.

Diese Rollen können sich innerhalb kürzester Zeit verschieben. Der Retter wird zum Opfer, das Opfer zum Verfolger und so weiter. Das Problem? Anstatt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, drehen sich Teams im Kreis aus Vorwürfen, Abhängigkeiten und Rechtfertigungen.

Warum das Dramadreieck psychologische Sicherheit zerstört

Solange ein Team in diesem Muster feststeckt, ist es fast unmöglich, eine offene, sichere Kommunikationskultur zu etablieren. Der Verfolger sorgt für Angst, das Opfer zieht sich zurück und der Retter übernimmt Verantwortung, die eigentlich nicht seine ist. So entsteht eine Kultur der Unsicherheit und Abhängigkeit – das genaue Gegenteil von dem, was wir in Teams anstreben. Psychologische Sicherheit bedeutet Gleichwertigkeit, Vertrauen und die Freiheit, Fehler machen zu dürfen. Das Dramadreieck hingegen bringt das Team in eine Schieflage und verhindert ehrliche, direkte Kommunikation.

Wie Teams das Dramadreieck durchbrechen können

Der erste Schritt ist, das Muster überhaupt zu erkennen. In angespannten Situationen lohnt es sich zu hinterfragen: „In welcher Rolle bewege ich mich gerade? Und was passiert hier eigentlich auf der zwischenmenschlichen Ebene?“ Wer merkt, dass er ins Dramadreieck rutscht, kann aktiv gegensteuern.

Reflexion statt Reaktion – Statt sofort in die gewohnte Dynamik zu verfallen, hilft ein kurzer Moment der Selbstreflexion: "Welche Haltung nehme ich gerade ein? Und wie kann ich die Situation konstruktiv gestalten?"

Vom Drama zur Lösung – Kommunikation auf Augenhöhe bedeutet, Verantwortung bewusst zu übernehmen, aber nicht für andere. Statt ungebetene Ratschläge zu geben oder Schuld zu verteilen, sollten Teams sich fragen: „Wie lösen wir das gemeinsam?“

Erwachsenen-Ich aktivieren – In der Transaktionsanalyse gibt es neben dem Dramadreieck auch das Konzept des Erwachsenen-Ichs. Das bedeutet: sachlich, klar und ohne emotionale Verstrickung kommunizieren. Wer bewusst ins Erwachsenen-Ich wechselt, sorgt dafür, dass Konflikte nicht eskalieren, sondern gelöst werden.

Psychologische Sicherheit als Teamaufgabe verstehen – Teams sollten sich aktiv damit auseinandersetzen, wie sie eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens aufbauen können. Das bedeutet, Fehler nicht zu bestrafen, sondern als Lernchance zu sehen – und sich gegenseitig darin zu bestärken, aus dem Dramadreieck auszusteigen.

Bewusstsein schafft Veränderung

Psychologische Sicherheit ist für produktive, leistungsfähige Teams eine Notwendigkeit – doch sie entsteht nicht von allein. Das Dramadreieck zeigt, wie leicht Teams in unbewusste Muster abrutschen, die Offenheit und Vertrauen verhindern. Wer es schafft, destruktive Rollen zu erkennen und bewusst in eine sachliche, lösungsorientierte Kommunikation zu wechseln, stärkt nicht nur die psychologische Sicherheit, sondern auch die Zusammenarbeit und den Erfolg des gesamten Teams.

Also: Wann hast du das letzte Mal innegehalten und gefragt, „Was passiert hier gerade wirklich?“ Vielleicht ist das der erste Schritt, um aus dem Drama auszusteigen.

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