Die Coaching-Haltung im agilen Kontext
Agilität ist mehr als Methoden und Frameworks – sie lebt von einer bestimmten Haltung oder wie viele sagen: dem Mindset. Besonders als Agile Coach, Scrum Master*in oder Führungskraft ist es entscheidend, Teams nicht einfach nur zu „führen“, sondern sie in ihrer Entwicklung zu begleiten. Genau hier kommt die Coaching-Haltung ins Spiel. Doch was bedeutet das konkret, und warum ist sie so entscheidend für den Erfolg agiler Teams?
Was bedeutet Coaching-Haltung?
Die Coaching-Haltung ist keine Methode, sondern eine innere Grundhaltung. Sie bedeutet, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen Vertrauen entgegenzubringen und sie dabei zu unterstützen, ihre eigenen Lösungen zu finden – statt ihnen Ratschläge oder fertige Antworten zu liefern. Ein Agile Coach mit echter Coaching-Haltung stellt Fragen, schafft Reflexionsräume und stärkt die Selbstorganisation des Teams.
Eine solche Haltung basiert auf der Überzeugung, dass jedes Team bereits über die nötigen Fähigkeiten verfügt, die eigenen Herausforderungen zu meistern. Es braucht oft nur den richtigen Impuls oder einen Perspektivwechsel, um vorhandenes Potenzial freizusetzen. Das heißt aber nicht, die Teams sich selbst zu überlassen, sondern diese so zu begleiten, dass sie ihre eigene Entwicklung aktiv gestalten.
Warum ist die Coaching-Haltung im agilen Kontext so wichtig?
Agile Teams brauchen Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit. Doch genau hier lauert eine Gefahr: Wenn Coaches oder Führungskräfte in die Rolle des „Retters“ schlüpfen und ständig Probleme lösen, nehmen sie dem Team die Möglichkeit, selbst zu wachsen. Eine echte Coaching-Haltung sorgt stattdessen für:
Mehr Eigenverantwortung – Teams übernehmen ihre eigenen Herausforderungen und entwickeln Lösungen selbst.
Bessere Zusammenarbeit – Durch gezielte Impulse entstehen neue Perspektiven und innovative Ideen.
Nachhaltige Veränderung – Statt nur schnell Symptome zu bekämpfen wird eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung gefördert.
Psychologische Sicherheit – Wer aktiv zuhört und wertschätzend hinterfragt, schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre.
Mehr Lernbereitschaft im Team – Indem eigene Lösungen erarbeitet werden, entsteht ein nachhaltiger Lerneffekt.
Gerade in agilen Transformationen ist es entscheidend, dass Teams nicht auf Anweisungen von außen warten, sondern eigenständig experimentieren, reflektieren und iterativ Verbesserungen vornehmen. Eine coachende Haltung unterstützt genau diesen Entwicklungsprozess.
Wie entwickelt man eine Coaching-Haltung?
Eine Coaching-Haltung kann man nicht „einfach so“ erlernen. Sie entwickelt sich durch bewusste Reflexion und Praxis. Folgende Prinzipien sind dabei elementar:
Zuhören, wirklich zuhören – Nicht sofort mit einer Lösung um die Ecke kommen, sondern verstehen, was das Team wirklich braucht.
Die richtigen Fragen stellen – Offene, kraftvolle Fragen helfen Teams, selbst Lösungen zu entwickeln. Fragen wie "Was genau braucht ihr, um weiterzukommen?" oder "Welche Erfahrungen habt ihr in ähnlichen Situationen gemacht?" können tiefere Erkenntnisse hervorbringen.
Nicht bewerten, sondern erkunden – Eine neutrale, wertfreie Haltung öffnet den Raum für ehrliche Reflexion.
Geduld haben, nicht sofort lösen wollen – Veränderung braucht Zeit. Es ist okay, wenn eine Antwort nicht sofort gefunden ist.
Eigene Muster hinterfragen – Auch als Coach oder Führungskraft neigt man manchmal dazu, in alte Muster zu verfallen. Reflexion hilft.
Ermutigen, aber nicht übersteuern – Es geht nicht darum, Menschen zu „pushen“, sondern sie dabei zu unterstützen, ihre eigene Richtung zu finden.
Coaching-Haltung in der Praxis: ein Beispiel
Ein Team kämpft immer wieder mit ineffizienten Meetings. Der erste Impuls eines Agile Coaches könnte sein: „Lasst uns Timeboxing einführen!“ oder „Wir brauchen eine klare Agenda!“. Doch jemand mit echter Coaching-Haltung würde stattdessen fragen:
„Was glaubt ihr, warum die Meetings nicht produktiv sind?“
„Was wäre anders, wenn die Meetings effektiver wären?“
„Welche Ideen habt ihr selbst, um das zu verbessern?“
Durch solche Fragen übernimmt das Team Verantwortung für die eigene Verbesserung – statt auf vorgefertigte Lösungen zu warten. Ein erfahrener Coach hilft dem Team dabei, sich die richtigen Fragen zu stellen, anstatt sofort mit Lösungen zu kommen.
Die Herausforderungen der Coaching-Haltung
Eine echte Coaching-Haltung umzusetzen kann herausfordernd sein. Insbesondere für Menschen, die es gewohnt sind, durch schnelle Antworten und Fachwissen zu überzeugen. Hier sind einige typische Stolpersteine:
Ungeduld – Es fällt schwer, eine Lösung nicht direkt auszusprechen, wenn man sie kennt.
Druck von außen – Organisationen oder Führungskräfte erwarten oft schnelle Ergebnisse.
Unklare Erwartungen – Teams, die eine Beratung erwarten, sind zunächst irritiert, wenn sie Fragen statt Antworten erhalten.
Eigene Muster – Wer gewohnt ist, Lösungen zu präsentieren, muss bewusst üben, sich zurückzuhalten.
Die gute Nachricht: Eine Coaching-Haltung entwickelt sich mit der Zeit. Je mehr man übt, desto intuitiver wird es, Teams auf eine Weise zu begleiten, die ihre Selbstorganisation stärkt.
Eine Coaching-Haltung ist der Unterschied zwischen kurzfristiger Problemlösung und nachhaltiger Entwicklung. Sie ermöglicht es Teams, wirklich eigenverantwortlich zu arbeiten und kontinuierlich zu wachsen. Agile Coaches, Scrum Master*innen und Führungskräfte, die diese Haltung verinnerlichen, leisten einen wertvollen Beitrag zur Teamentwicklung – und damit zum Erfolg der gesamten Organisation.
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