Stille erschaffen und nutzen

Agilität ist auch der ständige Flow von Kommunikation und schnellem Handeln. Tägliche Stand-ups, permanenter Austausch und regelmäßige Retros – das Bild agiler Teams ist von Dynamik geprägt. “Stille Meetings” werden eher als unangenehm wahrgenommen: Hier stimmt etwas nicht — warum gibt es wenig Beteiligung? Was aber ist, wenn Stille genau das ist was uns fehlt?

Ja, Stille ist erst einmal eine Wahrnehmung, ein Zustand, eine Situation. Eine, die wir im Arbeitsalltag oft übersehen. Die Wertung: “Das ist unangenehm”, die kommt aus uns.

Stille ist nämlich auch oft der Raum, in dem Ideen aufblühen können, Reflexion stattfinden kann und Kreativität entsteht. Warum also sollten wir Stille in unserem Arbeitsalltag nicht genauso ernst nehmen wie die nächste Sprintplanung?

Stille ist nichts Schlimmes

Gewinnen von Klarheit
Hand aufs Herz: Wer hat sich nicht schon mal gefühlt, als würde der Kopf gleich explodieren, weil so viele Informationen auf einen einprasseln? Stille hilft, Gedanken zu ordnen und wichtige Entscheidungen aus einer klaren Perspektive heraus zu treffen. Das ist der Unterschied zwischen Reaktion und bewusster Handlung.

Kreativität braucht Raum
Hast du jemals den Moment erlebt, in dem die besten Ideen einfach so kommen – in der Stille? Das passiert nicht zufällig. Unser Gehirn ist unglaublich gut darin, neue Verbindungen zu schaffen, wenn es nicht ständig mit äußeren Reizen überflutet wird.

Alle Stimmen gehören gehört – auch die stilleren
In vielen Meetings dominieren die Lauten. Die Menschen, die gerne und viel reden, haben oft das Gefühl, ihre Ideen sind entscheidend – und die Introvertierten nehmen sich vielleicht einen Schritt zurück. Hier kommt Stille ins Spiel: Sie sorgt dafür, dass alle Zeit und Raum bekommen, ihre Gedanken zu sammeln und einzubringen.

Stille aktiv integrieren?

Schweigende Retrospektiven

Stell dir vor: Eure nächste Retrospektive beginnt nicht mit einer Diskussion, sondern mit fünf Minuten Ruhe. Kein Austausch, keine Gespräche – alle für sich, Gedanken zur letzten Iteration aufschreiben. Danach können die Ergebnisse gemeinsam besprochen werden. So werden alle Stimmen gehört, ohne dass die Diskussion zu schnell in eine Richtung abdriftet.

Silent Brainstorming

Schluss mit dem „Schnell rein, schnell raus“-Brainstorming! In einem Silent Brainstorming sammeln alle zunächst in Ruhe ihre Ideen auf Post-Its. Erst danach beginnt die Diskussion. So bekommt jede Idee ihren Platz, und niemand wird in der ersten Aufregung übergangen.

Dailys mit einer Minute Stille

Es klingt vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber was, wenn ihr euer Daily Stand-up mit einer Minute Stille beginnt? Keine Begrüßungen, keine schnellen Worte – nur Stille, in der alle kurz überlegen, was der wichtigste Punkt für den Tag ist. Diese kleine Pause am Anfang kann euch helfen, fokussierter in den Austausch zu gehen.

Deep-Work-Sessions

Niemand spricht mehr. Keine Meetings. Keine Slack-Nachrichten. Nur Stille und konzentrierte Arbeit. Diese Zeiten für Deep Work sollten alle im Team regelmäßig einplanen (können) – und das auch im Kalender blockieren. Der Effekt: Ihr arbeitet fokussierter und in der Tiefe, ohne ständig abgelenkt zu werden.

Der „Rückzugsraum“ für Stille

Schafft physische oder virtuelle Räume, in denen ihr in Ruhe nachdenken könnt. Ein Ort, an dem ihr ungestört arbeiten und nachdenken könnt, ohne sofort in einen Austausch zu müssen. In hybriden oder remote Teams hilft es, deutlich zu kommunizieren, wenn jemand gerade nicht gestört werden möchte.

Stille braucht Übung

Wer nicht gerade in einem Zen-Kloster lebt, wird feststellen, dass Stille ganz schön ungewohnt sein kann. Es ist oft schwer sich auf das Gegenteil einzulassen, haben wir doch alle gelernt die Stille mit Smalltalk zu füllen. Wenn wir lernen, Stille nicht als Feind, sondern als Chance zu sehen, können wir neue Perspektiven entdecken und produktiver werden.

Agilität durch Stille – wie das funktioniert

Agilität bedeutet nicht, immer am „Gas“ zu sein. Es bedeutet, den richtigen Moment für Handlungen zu erkennen und in einem gesunden Rhythmus zu arbeiten. Stille ist hier kein Widerspruch, sondern eine wichtige Ressource. Sie gibt uns die Zeit, um nicht nur schnelle Entscheidungen zu treffen, sondern kluge und durchdachte. Die Integration von Stille ist eine Investition in die Qualität der Arbeit und des Miteinanders.

Wenn du also das nächste Mal das Gefühl hast, dass alles zu laut, zu schnell oder zu hektisch wird, atme kurz durch und überlege: Könnte Stille der Schlüssel zu einer noch besseren Zusammenarbeit sein?

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