Feedback wird an seiner Wirkung gemessen

Feedback kann eine Chance zur Weiterentwicklung sein – oder es hinterlässt Verwirrung, Frust und Unsicherheit. Entscheidend ist nicht nur, wie gut Feedback formuliert ist, sondern vor allem, was es bei der empfangenden Person auslöst. Denn Feedback zeigt seine Wirkung nicht im Moment der Aussprache, sondern in dem, was danach passiert.

Was macht Feedback mit dem Gegenüber?

Stell dir vor, du bekommst Feedback. Vielleicht fühlst du dich ertappt, vielleicht inspiriert — oder du bist schlichtweg überfordert. Worte können motivieren, aber auch entmutigen. Die entscheidende Frage ist: Kommt das Gesagte überhaupt so an, wie es gemeint war? Und noch wichtiger: Führt es zu einer positiven Veränderung oder bleibt nur ein ungutes Gefühl zurück?

Die Herausforderung: Zwischen der Absicht des Feedbackgebenden und der tatsächlichen Wirkung auf die empfangende Person kann eine große Lücke klaffen. Was als konstruktiv gemeint war, kann als Vorwurf empfunden werden. Was als motivierend gedacht war, kann Druck erzeugen. Diese Diskrepanz zu erkennen und bewusst zu hinterfragen, entscheidet letztlich darüber, ob es ein gutes oder schlechtes Feedbackgespräch war.

Wenn Feedback nicht klar verständlich oder emotional gut verpackt ist, kann es genau das Gegenteil bewirken. Statt Ermutigung bleibt Unsicherheit. Statt Erkenntnis wächst Widerstand. Besonders problematisch wird es, wenn Feedback als bloße Kritik wahrgenommen wird, ohne dass es eine Perspektive für Verbesserung gibt. Die empfangende Person bleibt dann nicht nur ratlos zurück, sondern fühlt sich im schlimmsten Fall sogar entwertet.

Klarheit und Empathie

Wenn du Feedback gibst, frag dich: Wie könnte dieses sich für die andere Person anfühlen? Was könnte es auslösen? Ein harter Kommentar mag ehrlich gemeint sein, aber wenn er jemanden verletzt oder verunsichert, hat er dann sein Ziel erreicht?

Feedback sollte nicht wie eine Bewertung wirken, sondern wie eine Einladung zur Reflexion. Es geht nicht darum, dem anderen eine fertige Wahrheit hinzustellen, sondern Impulse zu geben, die Raum für eigene Gedanken lassen. Und dabei zählt auch der Tonfall. Dieselbe Botschaft kann völlig unterschiedlich ankommen — je nachdem, ob sie mit Wertschätzung oder mit Härte formuliert wird.

Empathie: Wer wirklich daran interessiert ist, dem anderen etwas mitzugeben, nimmt sich die Zeit, zu verstehen, wie das Gesagte bei ihm oder ihr ankommt. Oft hilft es, sich selbst zu fragen: Wie würde ich mich fühlen, wenn ich dieses Feedback bekäme? Würde es mich stärken oder eher verunsichern?

Nach dem Feedback

Was bleibt nach dem Gespräch? Geht das Gegenüber mit neuen Erkenntnissen und einer klaren Richtung aus der Situation? Oder grübelt die Person noch lange darüber nach, was wohl wirklich gemeint war? Gutes Feedback zeigt sich daran, dass die empfangende Person daraus etwas mitnehmen kann — nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional.

Es ist wichtig, das Gespräch nicht einfach abzuschließen und dann zur Tagesordnung überzugehen. Stattdessen lohnt es sich, aktiv nachzufragen: „Was hast du aus dem Feedback für dich mitgenommen?“ oder „Gibt es etwas, das du noch besprechen möchtest?“ Dadurch entsteht ein Austausch, und es wird sichergestellt, dass Feedback nicht einfach nur gehört, sondern auch verarbeitet werden kann.

Denn oft zeigt sich erst später, ob und wie ein Feedback tatsächlich gewirkt hat. Ein kurzer Check-in nach ein paar Tagen kann helfen, um zu verstehen, ob es wirklich eine Reflexion angestoßen hat — oder ob es vielleicht Missverständnisse gab, die noch geklärt werden müssen. Das gilt übrigens auch für Lob, also positives Feedback. Denn auch hier wollen wir ja, dass das Feedback wirkt und nicht einfach sang- und klanglos im Arbeitsalltag untergeht.

Wirkung über Form

Feedback ist nicht nur Technik, sondern Kommunikation. Es geht nicht darum, möglichst präzise oder strukturiert zu formulieren, sondern darum, ob die Botschaft verstanden wurde und so etwas Positives bewirkt.

Es zählt im Zweifel nicht, was gesagt wurde, sondern was beim Gegenüber ankommt. Die besten Absichten nutzen wenig, wenn sie beim anderen als Vorwurf oder Kritik ankommen. Wer Feedback gibt, übernimmt also Verantwortung — nicht nur für die Worte, sondern auch für die Wirkung, die sie entfalten.

Am Ende zählt nicht, ob die Worte perfekt gewählt waren, sondern ob die andere Person gestärkt und mit Klarheit aus dem Gespräch herausgeht. Denn nur dann hat Feedback seinen eigentlichen Zweck erfüllt.

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