Die Kunst des Loslassens: Als agile Coach mehr bewegen, indem du weniger tust

„Aber ich bin doch immer für die Teams da?!“ – ein Satz, den ich von agilen Coaches und Scrum Master*innen immer wieder höre. Verständlich, schließlich wollen wir als Coaches unseren Teams den Rücken stärken, ihnen zur Seite stehen und sie auf ihrer Reise begleiten. Doch die zentrale Frage ist: Helfen wir wirklich, indem wir ständig präsent sind, oder verhindern wir vielleicht sogar echte Veränderung?

Echte Veränderung passiert nicht, weil wir ständig anwesend sind und kontinuierlich Ratschläge erteilen. Sie passiert, weil wir punktuelle Impulse setzen, die das System als Ganzes in Bewegung bringen. Es geht darum, Möglichkeitsräume zu öffnen, in denen Teams und Organisationen selbst aktiv werden können. Nur so können nachhaltige Transformationen stattfinden.

Die Versuchung der ständigen Präsenz

Gerade als interner agile Coach oder Scrum Master*in ist es verlockend, sich tief in die Arbeit der Teams einzugraben, immer da zu sein, alles verstehen zu wollen und so richtig mittendrin zu sein. Schließlich ist es der Job, das Team zu unterstützen, Hindernisse zu beseitigen und den agilen Prozess zu fördern. Aber: Die wahre Wirksamkeit eines Coaches entsteht nicht durch das Mitlaufen im Tagesgeschäft. Sie entsteht durch den bewussten Blick auf das große Ganze – auf das System, in dem das Team agiert. Es geht darum, Strukturen und Prozesse zu hinterfragen, gezielt zu verändern und Impulse zu setzen, die über den Alltag hinausgehen. Das bedeutet, dass wir als Coaches manchmal auch bewusst einen Schritt zurücktreten müssen.

Warum weniger oft mehr ist

In meiner Arbeit habe ich oft erlebt, dass die wirkungsvollsten Veränderungen dann eintreten, wenn ich bewusst weniger tue. Indem ich den Teams Raum gebe, ihre eigenen Lösungen zu finden und ihre eigenen Wege zu gehen, fördern wir als Coaches ihre Selbstorganisation und Eigenverantwortung. Wir setzen den Rahmen, in dem die Teams selbst aktiv werden können – und das ist letztlich das Ziel agiler Arbeit. Und so geht vor allem auch Coaching.

Ja, es ist wichtig, den Teams zur Seite zu stehen, sie zu coachen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Aber wirkliche Veränderung entsteht nicht, wenn du ständig vor Ort bist und Lösungen anbietest. Veränderung entsteht, wenn du als Coach bewusst den Schritt zurücktrittst und gezielt von außen auf das System schaust – und ja, so ein Team ist auch „nur“ ein System.

Arbeiten am System, nicht im System

Der entscheidende Punkt ist, dass wir am System und nicht im System arbeiten wollen. Wenn wir als Coaches zu tief in den Alltag der Teams eintauchen, verlieren wir die Distanz, die notwendig ist, um die wirklich relevanten Veränderungen anzustoßen.

Es ist unsere Aufgabe, Strukturen zu hinterfragen und Prozesse so zu gestalten, dass sie den Teams die Freiheit geben, sich selbst zu organisieren und zu wachsen. Dazu gehört auch, dass wir die Frage nach der Sinnhaftigkeit von agilen Coaches in den Hintergrund rücken lassen, indem wir unsere eigene Rolle neu definieren. Denn ein guter Coach ist nicht jemand, der immer präsent ist, sondern jemand, der die richtigen Fragen stellt, den Raum für Entwicklung schafft und das Team befähigt, sich selbst zu helfen.


Echte Veränderung braucht Impulse – aber sie braucht auch Raum. Als agile Coaches und Scrum Master*innen sollten wir den Mut haben, uns zurückzuziehen. Indem wir weniger tun, ermöglichen wir mehr: mehr Eigenverantwortung, mehr Selbstorganisation und letztlich mehr echte Veränderung.

Denn am Ende des Tages geht es darum, die Teams in die Lage zu versetzen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. So arbeiten wir nicht nur am System, sondern gestalten es aktiv mit – und das ist die wahre Kunst des agilen Coachings.


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