Die inneren Antreiber im Arbeitsalltag
Wir alle kennen das. Diese kleine Stimme im Kopf, die ruft: „Mach das noch besser!“, „Tu bloß keinem weh!“ oder „Komm, das geht schneller!“ Unsere inneren Antreiber pushen uns im Alltag – und manchmal auch über unsere Grenzen hinaus. Gerade in agilen Teams, wo Flexibilität und Zusammenarbeit großgeschrieben werden, können die Anforderungen schnell zu einem Drahtseilakt werden. Balance halten ist die Devise! Hier kommen die fünf zentralen Antreiber – "Sei perfekt", "Sei gefällig", "Streng dich an", "Mach schnell" und "Sei stark" – und wie du sie zu deinen Verbündeten machst.
Sei perfekt
„Ich will, dass das einfach richtig gut wird.“ – Hört sich ja erstmal top an. Aber wenn der „Sei perfekt“-Antreiber am Steuer sitzt, kann das Team ganz schön ausgebremst werden.
- Setze realistische Ziele: Klar, in agilen Teams wollen wir Qualität liefern. Aber „gut genug“ ist oft schon perfekt. Ein MVP (Minimum Viable Product) ist nicht dazu da, zu glänzen, sondern zu lernen. Perfektion heißt in diesem Fall: kontinuierliches Verbessern: Schritt für Schritt.
- Akzeptiere Fehler als Lerngelegenheiten: Da ist die Retrospektive und da war dieser Bug im letzten Sprint ... Und jetzt? Zeit, die Schuldkeule wegzupacken. Fehler sind Lernmöglichkeiten – ohne sie würde das Team nie besser werden. Also: Fehler zulassen, daraus lernen und gemeinsam feiern, was wir daraus mitnehmen. Trotzdem darfst du dich natürlich erstmal nicht so gut fühlen nach einem Fehler. Teile das mit dem Team. Das schlechte Gefühl gehört zum Lerngefühl.
- Feiere deine Erfolge: Mal ehrlich, wann hast du das letzte Mal einen kleinen Erfolg gefeiert? Kein riesiger Release, sondern einfach ein gutes Stand-up, ein gelöstes Problem oder die Fertigstellung einer User Story. Perfektionismus darf auch mal tanzen – und zwar auf der Feier deiner Fortschritte.
Sei gefällig
„Klar, ich mach das schon.“ – Schön und gut, aber wenn der „Sei gefällig“-Antreiber übernimmt, kann man sich schnell selbst verlieren. Besonders im Team, wo die Gefahr groß ist, immer nur zu geben, bis nichts mehr übrigbleibt.
- Lerne, Grenzen zu setzen: „Nein“ sagen ist kein Verbrechen. Du musst nicht jede zusätzliche Aufgabe auf dich nehmen. Gerade in agilen Teams, wo Selbstorganisation gelebt wird, ist es wichtig zu wissen, was machbar ist – und was nicht. Ein respektvolles „Nein“ kann Wunder wirken, für dich und das Team.
- Stärke deinen Selbstwert: Dein Beitrag im Team ist mehr als nur „da sein und nett sein“. Du bist da, weil du was drauf hast! Fokussiere dich auf deine Skills und den Wert, den du lieferst – unabhängig davon, ob du gerade jemandem einen Gefallen getan hast oder nicht.
- Priorisiere deine Bedürfnisse: Ja, agile Teams leben von Zusammenarbeit. Aber: Du bist ein Teil dieses Teams. Also stell sicher, dass du dich um dich selbst kümmerst. Wenn du gut auf dich achtest, kannst du langfristig auch mehr für andere da sein.
Streng dich an
Immer Gas geben, immer mehr machen, immer besser werden. Der „Streng dich an“-Antreiber kann motivieren – oder in die Überlastung führen.
- Fokussiere Effizienz: Agiles Arbeiten ist nicht gleichbedeutend mit „viel machen“. Es geht darum, die Dinge schlau zu machen. Deshalb: Priorisieren, Timeboxen, klare „Done“-Kriterien – alles, was dir dabei hilft, smart zu arbeiten statt nur hart.
- Setze klare Ziele und Prioritäten: In einem Daily steht alles auf dem Tisch: Was ist wichtig? Was ist dringend? Was bringt uns dem Sprint-Ziel näher? Wer sich auf das konzentriert, was wirklich zählt, spart Kraft und bleibt motiviert.
- Gönne dir Pausen: Keine Frage, wer viel leistet, braucht auch mal 'ne Pause. Ein Spaziergang, ein Kaffee, ein kurzes Durchatmen. Auch agile Held*innen müssen mal die Füße hochlegen, um danach umso kraftvoller weiterzumachen.
Mach schnell
„Los, wir müssen vorankommen!“ – Im agilen Umfeld superwichtig, klar. Aber: wenn der „Mach schnell“-Antreiber die Kontrolle übernimmt, wird aus Tempo schnell Chaos.
- Priorisiere sorgfältig: Nicht alles brennt lichterloh. Sortiere deine Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit. Das Backlog-Refinement ist der perfekte Ort dafür. Tempo ist super – solange es das richtige Tempo für die richtige Aufgabe ist.
- Übe Achtsamkeit: Ein kurzer Moment, bevor du in den Tag startest, kann helfen, den Fokus zu setzen. Einmal durchatmen, die Gedanken sammeln und dann mit klarem Kopf loslegen. Agiles Arbeiten heißt nicht, im Hamsterrad zu rennen – es heißt, effektiv und bewusst zu agieren.
Sei stark
„Das pack ich schon.“ – Schön, wenn man sich auf sich selbst verlassen kann. Doch der „Sei stark“-Antreiber kann auch dazu führen, dass du glaubst, immer alles alleine schaffen zu müssen. Spoiler: Muss man nicht.
- Erlaube dir, Verletzlichkeit zu zeigen: Stärke heißt nicht, dass du niemals Hilfe brauchst. Es ist okay, auch mal Schwäche zu zeigen. Das Team ist dafür da, sich gegenseitig zu unterstützen – und auch mal Schwächen aufzufangen.
- Praktiziere Selbstfürsorge: Stark sein heißt auch, gut auf sich selbst zu achten. Was tut dir gut? Was brauchst du, um fit und fokussiert zu bleiben? Nur wenn du dich gut fühlst, kannst du auch langfristig stark sein. Fürs Team und für dich.
- Suche Unterstützung: Du musst nicht immer alleine kämpfen. Egal, ob Peer-Feedback, Retrospektive oder Team-Workshop – es gibt genügend Möglichkeiten, sich gegenseitig zu supporten. Ein starkes Team erkennt, wann jemand Unterstützung braucht – und bietet sie an.
Unsere inneren Antreiber können echte Booster sein: Wenn wir lernen, sie richtig einzusetzen. Also, lass uns ihre Stärken feiern und gemeinsam daran arbeiten, sie im Team positiv zu nutzen.
Mehr zu deinen inneren Antreibern findest du hier: