Die Teamuhr von Tuckman
Die Teamuhr von Tuckman ist ein Modell zur Darstellung und Erklärung der verschiedenen Phasen, die ein Team während seiner Entwicklung durchläuft. Diese Phasen sind ein wesentlicher Bestandteil der Teamentwicklung und können in der Teamentwicklung aktiv genutzt werden, um das Team effektiver zu unterstützen und zu führen.
Die 5 Phasen der Teamuhr
Forming (Orientierungsphase):
In der ersten Phase geht es um Orientierung und Eingewöhnung. Es herrschen eher Höflichkeit und Zurückhaltung vor. Die Teammitglieder lernen sich erst kennen und machen sich miteinander vertraut. Es gibt eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Rollen, Aufgaben und Erwartungen im Team. Die Teammitglieder suchen in der Regel nach klaren Anweisungen und vor allem Orientierung. Sofern es eine Teamleitung gibt, wird diese hauptsächlich zwecks Orientierung kontaktiert.
Um Teams in dieser Phase aktiv zu unterstützen, bieten sich vor allem Aktivitäten an, die ein Kennenlernen fördern. Dies können Vorstellungsrunden oder Icebreaker sein, aber eben auch die klare Kommunikation von Zielen und Erwartungen. Nicht zuletzt unterstützt es die individuelle Orientierung, einzelne Aufgabenbereiche und Rollen zu verdeutlichen.
Storming (Konfliktphase):
Im Storming treten vermehrt Konflikte und Spannungen auf, da die unterschiedlichen Persönlichkeiten, Ideen und Arbeitsstile der Teammitglieder aufeinandertreffen. Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen werden offen (und ggf. verdeckt) ausgetragen. Es kann zu Stress und zur Frustration kommen, weil es schwierig wird, gemeinsame Entscheidungen im Team zu treffen. Eine Zersplitterung in Subgruppen ist möglich, die sich in ihren Meinungen und Ansichten gegenüberstehen.
Teammitglieder sollten ermutigt werden, ihre Standpunkte offen auszutauschen und aktiv gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Es braucht moderierte Formate, die konstruktives Feedback nutzen, um Konflikte tatsächlich aufzulösen. Besonders wichtig ist es, die vorhandenen Konflikte nicht wegzumoderieren, sondern ihnen aktiv Raum zu geben, sonst ist eine Weiterentwicklung aus dieser Phase nicht möglich.
Norming (Normierungsphase):
Das Team beginnt sich auf gemeinsame Regeln, Normen und Werte zu einigen und eine gemeinsame Identität zu entwickeln. Die Zusammenarbeit wird effektiver, gegenseitige Unterstützung wird sichtbar und gemeinsame Teamverantwortung beginnt zu entstehen. Normen und Verhaltensweisen entstehen und werden explizit besprochen.
Teams im Norming sollten sich aktiv Zeit nehmen Rollen, Aufgaben und Normen zu reflektieren. Viele Normen “So arbeiten wir” entstehen implizit und nicht immer sind sie auch tatsächlich so gewollt. Ziel muss es sein, möglichst viele implizite Regeln in die Sprachfähigkeit und damit ins Explizite zu bringen. Dies fördert die Zusammenarbeit und das Vertrauen zueinander.
Performing (Leistungsphase):
In der Performingphase arbeitet das Team effizient zusammen, um seine Ziele zu erreichen. Es zeigt eine hohe Leistungsbereitschaft, steht füreinander ein und übernimmt gemeinsame Verantwortung. Prozesse werden aktiv reflektiert und nach Bedarf angepasst, um mit Leichtigkeit die Teamziele zu erreichen. Das Team vertraut auf die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten und ist sich auch individueller Schwächen und Stärken bewusst.
Manche allzu beflügelten Teams neigen dazu, sich zu übernehmen oder gar in eine Art Selbstgefälligkeit abzurutschen. Um dies zu vermeiden, sollten Teams regelmäßige Formate nutzen, um den Fokus auf die Ziele und die Effizienz im Blick zu behalten.
Adjourning (Auflösungsphase):
Teams, die nur auf begrenzte Zeit zusammenarbeiten, z. B. für ein konkretes Projekt, durchlaufen eine Adjourningphase. Sie bereiten sich auf die Beendigung der Arbeit oder den Übergang zu neuen Projekten vor. Die Teammitglieder nehmen Abschied voneinander und sprechen über die vergangene Zeit. Sie zeigen Dankbarbeit und Anerkennung für die gemeinsame Arbeit. Auch ist eine Zersplitterung in Kleingruppen als Reaktion auf die bevorstehende Auflösung möglich.
Erfahrungen und Erkenntnisse aus der gemeinsamen Zeit sollten gezielt gesammelt und dokumentiert werden. Es sollte Raum für Abschied und Anerkennung gefunden werden, damit der Übergang in neue Projekte oder Teams erleichtert wird.
Wichtige Details zur Teamuhr
In der Anwendung der Teamuhr ist es wichtig zu verstehen, dass Teams nicht immer linear durch alle Phasen gehen. Sie können zwischen verschiedenen Phasen hin- und herwechseln oder sogar Phasen überspringen, je nach den Umständen und der Art des Projekts. Ein Team kann beispielsweise nach einer erfolgreichen "Performing"-Phase in eine neue Herausforderung eintreten und wieder in die "Forming"-Phase zurückkehren. Auch hängt die Bewegung der Uhr von der Stabilität des Teams ab — jede personelle Änderungen hat auch auf Auswirkung auf die jeweilige Phase des Teams. Die Uhr beginnt an anderer Stelle neu: an welcher, ist durch gute Beobachtung einzuschätzen.
Auch sind die Phasen nicht gleich lang. Wie lange ein Team sich in einer Phase befindet, hängt von vielen Faktoren ab, z.B. von Persönlichkeiten, persönlichen Erfahrungen, Aufgabenstellungen und von der Art der Begleitung in der Teamentwicklung.
Die Teamdynamik ändert sich im Laufe der Zeit, abhängig von den verschiedenen Phasen. Veränderungen müssen aufmerksam beobachtet werden. In der "Storming"-Phase kann es notwendig sein, Konflikte zu bewältigen, während in der "Performing"-Phase die Teamleistung und das Engagement erhalten bleiben sollten. In den frühen Phasen braucht ein Team meist mehr Führung und Anleitung, während es in den späteren Phasen vor allem Autonomie benötigt, um gute Leistungen zu erbringen.
Jedes Teammitglied bringt unterschiedliche Persönlichkeiten, Fähigkeiten und Erfahrungen mit. Diese Vielfalt sollte in jeder Phase geschätzt und als Stärke des Teams genutzt werden.